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Pressemitteilung

Kiebitze brüten wieder in der Region

Wiesenbrüterprojekt im Regierungsbezirk Tübingen zeigt erste Erfolge.

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Kiebitz schwarz weiß auf einer Wiese
Kiebitz
Kiebitz
Drei Wasserbüffel an einer Wasserstelle umgeben von grüßnen Wiesen
Wasserbüffel an der Wasserstelle im Naturschutzgebiet „Gedüngtes Ried“
Wasserbüffel an der Wasserstelle im Naturschutzgebiet „Gedüngtes Ried“

In diesem Jahr haben in drei Projektgebieten zur Wiederansiedlung von Wiesenbrütern erfolgreich Kiebitze gebrütet. Im Ammertal bei Tübingen, im Ried zwischen Schemmerhofen-Ingerkingen und Ehingen-Volkersheim sowie am Neunbrunnen bei Herbertingen-Hundersingen, wurden im Regierungsbezirk Tübingen potentielle Flächen für den Kiebitz erkannt. Daraufhin hat die Naturschutzverwaltung die vergangenen beiden Jahre dort umfangreiche Landschaftspflegemaßnahmen umgesetzt. Dieses Jahr brüteten insgesamt 16 Kiebitz-Paare in den drei Gebieten.

 

Schon ab Mitte Februar war das laute „Kiewit“ der Kiebitze in manchen Teilen des Regierungsbezirks Tübingen zu hören. Offene Bodenflächen mit flachen Wasserstellen ziehen die Vögel im Frühjahr auf der Suche nach geeigneten Brutflächen an.

 

Um solche Bedingungen zu schaffen, haben die Naturschutzbehörden des Regierungspräsidiums und der Landratsämter in den Projektgebieten im Ammertal bei Tübingen, im Ried zwischen Ingerkingen und Volkersheim sowie am Neunbrunnen bei Hundersingen in den letzten zwei Wintern verschiedene Maßnahmen umgesetzt, damit die vom Aussterben bedrohte Tiere wieder Heimat finden. Im Ammerbuch hat sich die Stadt Tübingen aktiv an den Maßnahmen beteiligt, die NABU Gruppen in Tübingen und in Mengen unterstützen zudem beim Monitoring.

 

Mit den Maßnahmen wurden Gehölzverbuschungen zurückgenommen, Drainagen entfernt und flache Wasserflächen, sogenannte „Blänken“, geschaffen. Diese offene Landschaft benötigt der Kiebitz, um dort seine Jungen großzuziehen und um Nahrung zu finden. Hier fühlen sie sich vor ihren Feinden sicher und stochern mit ihren Schnäbeln im offenen Boden nach Insekten und Würmern. Damit die Jungen nicht zur leichten Beute werden, wurden außerdem hohe Bäume entfernt, die von den Greifvögeln gern als Ansitz genutzt werden.

 

In diesem Jahr brüteten in den drei Projektgebieten insgesamt 16 Kiebitze-Paare und es konnten mindestens 24 flügge Jungvögel beobachtet werden. Damit leisten die Projekte einen wesentlichen Beitrag zum Schutz dieser Feldvogelart. Aber auch andere Vogelarten wie Wasserrallen, Schafstelzen, Bekassinen und Flussregenpfeifer konnten in den Gebieten beobachtet werden. Sie nutzen die Wasserstellen im Frühjahr gerne zur Nahrungssuche. Im Winter waren Zwergschnepfen sowie weitere durchziehende Watvögel wie Wald- und Bruchwasserläufer oder Kampfläufer zu Gast.

 

Damit das so bleibt, sollen in den Projektgebieten Wasserbüffel bei der Kurzhaltung der Vegetation unterstützen und offenen Bodenstellen schaffen. Außerdem bieten die Suhlen der Büffel dauerhaft flache Wasserzonen, in denen die Vögel nach Nahrung stochern können.

 

Um die Wasserbüffel an Ort und Stelle zu halten und den Kiebitz und seine Nester zu schützen, wird die Weidefläche umzäunt. Hierzu ist ein abgestimmtes Weide- und Zaunmanagement erforderlich, welches nur mit engagierten Tierhaltern und Ehrenamtlichen vor Ort gelingt. So kann ein hoher Bruterfolg erreicht werden, der die Population der Kiebitze wachsen lässt und in Zukunft vielleicht auch die Wiederbesiedlung weiterer Gebiete ermöglicht.

 

Hintergrundinformationen:

Da nasse Acker- und Grünlandflächen im gesamten Land immer seltener zu finden sind, ist der Kiebitz in Baden-Württemberg vom Aussterben bedroht. Viele seiner ursprünglichen Lebensräume wurden trockengelegt oder sind verbuscht. Daher wurde 2021 ein Projekt zur Wiederansiedlung der Kiebitze im Regierungsbezirk Tübingen ins Leben zu rufen.

 

Projektgebiet im Ammertal

2022 wurde die vom Aussterben bedrohte Vogelart auf einer Ackerfläche beim Schwärzlocher Hof erfolgreich angesiedelt. Die im Vogelschutzgebiet „Schönbuch“ gelegene Fläche hatte das Land eigens für das Wiederansiedlungsprojekt erworben. Träger des Projekts sind die beiden Naturschutzbehörden des Regierungspräsidiums und des Landratsamts sowie der Stadt Tübingen und der NABU Ortsgruppe.

Im Projektgebiet im Ammertal brüteten im Jahr 2023 bereits vier Kiebitz-Paare, die im Juni sieben flügge Jungen hatten. Noch in diesem Jahr sollen die Wasserbüffel auf die Weide kommen. Besuchende können sowohl die Kiebitze als auch die Büffel von der Kiliansbrücke aus störungsfrei beobachten.

 

Projektgebiet im „Gedüngten Ried“

Das Naturschutzgebiet „Gedüngtes Ried“ befindet sich zwischen Ingerkingen und Volkersheim. Die Flächen gehören dem Land und wurden als eine der Potentialflächen für den Kiebitz erkannt. In diesem Jahr haben sechs Kiebitz-Paare gebrütet und mindestens elf Jungvögel wurden flügge. Seit dem 23. Juli sind etwa zehn Wasserbüffel auf der neuen Weide. Besucher können die Tiere von den oberhalb gelegenen Feldwegen abseits der Weide beobachten.

 

Projektgebiet am Neunbrunnen

Auf den Landesflächen am Neunbrunnen zwischen dem Mengener Ortsteil Beuren und Herbertingen-Hundersingen weiden bereits seit 2019 Wasserbüffel. Die Fläche eignet sich besonders gut für diese Art der Beweidung, weil sich sehr feuchte und trockene Bereiche auf kleiner Fläche abwechseln und die maschinelle Pflege erschwert ist. Umfangreiche Bodenmodellierungen haben wieder offene Wasserstellen geschaffen, dort wo das Wasser des Neunbrunnens zutage tritt. 2023 brüteten erstmals sechs Kiebitz-Paare und es konnten mindestens sechs flügge Jungvögel beobachtet werden. Zusammen mit dem engagierten Tierhalter vor Ort und den Ehrenamtlichen vom NABU wird das geeignetste Weide- und Zaunmanagement zum Schutz der Kiebitze erprobt.

 

Bildunterschrift:

Foto 1: Kiebitz, Fotografie: T. Remmers

Foto 2: Wasserbüffel an der Wasserstelle im Naturschutzgebiet „Gedüngtes Ried“, Fotografie: C. Stöferle

 

Hinweis für die Redaktionen:
Für Fragen zu dieser Pressemitteilung steht Ihnen Frau Sabrina Lorenz, Pressesprecherin, Telefon: 07071/757-3078, gerne zur Verfügung.

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