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Gewässer

Trockenheit setzt Amphibien unter Druck

Regierungspräsidium Tübingen schafft und saniert Kleingewässer

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Das Foto zeigt eine grüne gefleckte Wechselkröte auf einem steinigen Boden

Die trockene Witterung der vergangenen Wochen zeigt deutlich, wie wichtig intakte Kleingewässer für den Erhalt heimischer Amphibien sind. Zahlreiche Tümpel und Gräben sind bereits ausgetrocknet oder führen nur noch Restwasser. Für viele Amphibienarten bedeutet das, dass sie keine geeigneten Laichgewässer mehr finden oder ihre Kaulquappen und Larven vor Abschluss ihrer Entwicklung in der Restwasserpfütze vertrocknen. 

Die aktuelle Situation ist dabei nicht allein eine Folge ausbleibender Niederschläge. Die zunehmende Trockenheit trifft auf eine Landschaft, die bereits seit dem 19. Jahrhundert durch systematische Entwässerungsmaßnahmen Wasser verliert. Moore und Auen wurden trockengelegt, Fließgewässer begradigt und Wasser unter anderem mithilfe von Drainagen, Entwässerungsgräben und Gewässerausbau gezielt aus der Landschaft abgeleitet. 

Die ganze Lebensgemeinschaft gewässergebundener Organismen leidet unter dem Verlust von Feuchtgebieten und kleinen Oberflächengewässern. Unter den Amphibien sind Kreuzkröte, Gelbbauchunke und Laubfrosch insbesondere betroffen, da ihre Laichplätze in besonders kleinen und flachen Gewässern liegen, die normalerweise im Spätsommer austrocknen. Doch auch Erdkröte, Grasfrosch und Bergmolch finden vielerorts zunehmend ungünstige Lebensbedingungen vor.

„Wenn Tümpel und Gräben bereits im Frühling trockenfallen, wird sichtbar, wie sehr unsere Landschaft unter dem Verlust natürlicher Wasserspeicher leidet. Für den Schutz der Amphibien müssen wir bestehende Gewässer erhalten, neue schaffen und gleichzeitig Moore, Auen und andere Feuchtgebiete wieder stärken, damit Wasser länger in der Landschaft bleibt“, sagt Dr. Heiko Hinneberg, Artenschutzreferent am Regierungspräsidium Tübingen.

Vor diesem Hintergrund setzt das Regierungspräsidium Tübingen verschiedene Projekte und Maßnahmen zur Herstellung, Sanierung und Sicherung funktionsfähiger Kleingewässer um. Beispiele hierfür finden sich derzeit im Zollernalbkreis sowie in den Landkreisen Tübingen und Reutlingen – von klassischer Gewässersanierung über alternative Abdichtungskonzepte bis hin zu technischen Lösungen zur Wassersteuerung für besonders bedrohte Amphibienarten.

Zollernalbkreis: Projekt zur Sanierung und Neuschaffung von Kleingewässern

Zu Jahresbeginn wurde im Zollernalbkreis ein durch die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg gefördertes Projekt zur Sanierung und Neuschaffung von Kleingewässern begonnen. In einem ersten Schritt wurden bereits zahlreiche Gewässer hinsichtlich ihres Zustandes und ihres Sanierungsbedarfs erfasst und bewertet. Derzeit untersucht ein beauftragtes Fachbüro die vorkommenden Tier- und Pflanzenarten und erarbeitet konkrete Vorschläge für die Restaurierung prioritär eingestufter Gewässer. Anschließend werden die geplanten Maßnahmen mit Grundstückseigentümerinnen und Grundstückseigentümern, zuständigen Behörden sowie ausführenden Unternehmen abgestimmt. Die ersten praktischen Maßnahmen sollen im Herbst 2026 beginnen. Bis zum Ende der Projektlaufzeit im Jahr 2030 sollen insgesamt 10 bis 15 Gewässer saniert oder neu angelegt werden. Für die Umsetzung der Maßnahmen steht ein Finanzvolumen von 160.000 Euro zur Verfügung.

Wie wirksam solche Maßnahmen sein können, zeigt bereits das Naturschutzgebiet „Scharlenbachtal-Hofwald“ bei Starzeln. Dort wurden in drei frisch sanierten Tümpeln mehrere hundert Laichballen des Grasfrosches gezählt.

Neben der Erhaltung und Neuschaffung von künstlichen Kleingewässern setzt das Regierungspräsidium langfristig auf die Wiederherstellung natürlicher Lebensräume für Amphibien. So sind unter anderem im Naturschutzgebiet „Eselmühle“ zwischen Ebingen und Straßberg umfangreiche Renaturierungs- und Wiedervernässungsmaßnahmen geplant.

Landkreis Tübingen: Widerstandsfähiges Abdichtungsmaterial erprobt

Kleine Stillgewässer sind in Zeiten des Klimawandels besonders auf eine funktionsfähige Abdichtung angewiesen. Bei Entringen im Landkreis Tübingen wurde Dernoton als vielversprechende Alternative zur Lehm- bzw. Tonabdichtung erprobt. Es handelt sich dabei um ein Naturmaterial, das besonders gute Quelleigenschaften besitzt. Trockenrisse, die beim Austrocknen während einer Trockenperiode entstehen, sollen somit selbständig wieder verschlossen werden können – ein entscheidender Vorteil gegenüber Lehm oder Ton, die nach vollständiger Austrocknung ihre wasserstauende Eigenschaft irreversibel verlieren.

Dernoton könnte somit eine Alternative zur Abdichtung mit künstlichen Materialien wie Teichfolie darstellen und sich insbesondere für die Anlage periodisch austrocknender Kleingewässer eignen, wie sie von vielen Amphibienarten bevorzugt werden. 

Die Maßnahme wurde im Rahmen der kreisübergreifenden Koordination des Natura 2000-Gebiets Schönbuch initiiert und unter Beteiligung des Regierungspräsidiums Tübingen mit Mitteln der Artenschutzoffensive des Landes umgesetzt.

Landkreis Reutlingen und Tübingen: Gezieltes Management stark gefährdeter Arten 

In den Landkreisen Tübingen und Reutlingen kommen technische Lösungen zum Einsatz, um besonders bedrohte Populationen von Wechsel- bzw. Kreuzkröte zu erhalten. Trinkwasserasphaltbecken sowie die gezielte Bewässerung eines Laichgewässers mithilfe einer Solarpumpe sollen helfen, den Fortpflanzungserfolg der beiden Arten zu sichern. Beide benötigen flache, sich rasch erwärmende Gewässer, da diese eine schnelle Entwicklung der Larven gewährleisten und durch gelegentliches Trockenfallen weitgehend frei von Fressfeinden wie Fischen sind.

Die Trinkwasserasphaltbecken bei Tübingen und Trochtelfingen ermöglichen eine gezielte Regulierung des Wasserstandes. Sie werden jährlich im Herbst entleert und erst im Frühjahr wieder befüllt, sodass die gefährdeten Amphibien optimale Fortpflanzungsbedingungen vorfinden.

Auch im Naturschutzgebiet Burglehen im Landkreis Tübingen wird der Amphibienschutz technisch unterstützt. Eine Solarpumpe sorgt dafür, dass ein Flachgewässer bei Bedarf mit Oberflächenwasser aus einem benachbarten Baggersee versorgt und somit als Laichplatz für die Wechselkröte erhalten werden kann. Die zeitlich begrenzte und bedarfsgerechte Wasserzufuhr soll verhindern, dass das Gewässer bereits während der Entwicklung der Kaulquappen austrocknet. Der Charakter des natürlich regelmäßig austrocknenden Kleingewässers bleibt dabei erhalten, da die Wasserzufuhr nur zeitweise erfolgt und sich am tatsächlichen Bedarf orientiert. Das Flachgewässer kann im Spätsommer weiterhin auf natürliche Weise austrocknen. Dadurch bleibt die Gefahr durch Fressfeinde für die Wechselkrötenlarven in der Folgesaison gering. Diese Maßnahme erfolgt im Rahmen der Artenschutzoffensive des Landes am Regierungspräsidium Tübingen.

„Technische Lösungen können wertvolle Hilfen sein, um besonders gefährdete Populationen lokal zu erhalten. Langfristig müssen sie jedoch durch Maßnahmen ergänzt werden, die Wasser dauerhaft in der Landschaft halten und die Dynamik natürlicher Lebensräume wiederherstellen“, sagt Hinneberg.

Der Schutz heimischer Amphibien macht je nach Standort, Zielart sowie Boden- und Wasserverhältnisse unterschiedliche Maßnahmen erforderlich. Dazu zählen die Sanierung bestehender Gewässer, die Neuanlage von Tümpeln, technische Lösungen zur zeitweisen Wasserzufuhr, widerstandsfähige Abdichtungsmaterialien oder ergänzende künstliche Laichgewässer.

„Kleingewässer sind wichtige Trittsteine im Biotopverbund und dienen nicht nur den Amphibien als unverzichtbares Habitat. Auch für einige andere Tierarten, wie Libellen und andere gewässergebundene Insekten sowie Vögel und Säugetiere sind sie wichtige Bestandteile ihres Lebensraums. Auch einige selten gewordene Pflanzenarten sind auf sie angewiesen. Daher verdienen Kleingewässer insbesondere in Zeiten des Klimawandels auch bei knappen Kassen mehr Aufmerksamkeit“, erläutert Mathias Broghammer, Gebietsreferent am Regierungspräsidium Tübingen.

Bild:

Wechselkröte; Fotografie: Dr. Heiko Hinneberg.

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