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Medienmitteilung

Lochenstein: Projekt zum Schutz der Augenwurz gestartet

Die Augenwurz, eine rund 15 – 30 cm hohe Pflanze, ist eine Verwandte der Wilden Möhre.

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​Das Regierungspräsidium Tübingen hat in Zusammenarbeit mit dem Naturschutzzentrum Obere Donau in Beuron und nach Abstimmung mit dem Grundeigentümer, der Staatlichen Forstverwaltung, ein Projekt gestartet, um der Augenwurz am Lochenstein wieder eine Chance zu geben. Die Augenwurz, eine rund 15 – 30 cm hohe Pflanze, ist eine Verwandte der Wilden Möhre. Sie wächst in kleinen Beständen auf Felsköpfen und in Felsspalten von Schwammfelsen des Albtraufs – ihrem deutschlandweit einzigen Standort außerhalb der Alpen. Der nächste Fundort der Augenwurz liegt rund 100 km entfernt im Schweizer Jura.

Die Felsen der Schwäbischen Alb sind etwas ganz Besonderes: Dort gedeihen Pflanzenarten, die mit ein paar Krümeln Feinerde in den Felsspalten sowie einem extremen Klima auskommen. Ein Beispiel dafür ist die Augenwurz.

In ganz Baden-Württemberg hat sie nur am Lochenstein bei Balingen einige wenige natürliche Vorkommen. Seit rund 10 000 Jahren konnten sich diese Art und weitere genügsame Arten auf dem Fels am Lochenstein halten. Nun werden ihnen arglose Wanderer zum Verhängnis. Trockenheit und Nährstoffarmut halten die Pflanzen ganz gut aus, aber durch den Tritt vieler Bergschuhe ist ihr Schicksal besiegelt: viele Pflanzen sind schon beschädigt oder ganz verschwunden. An diesen Stellen ist der Fels fast vegetationsfrei. Nur an den weniger betretenen Randbereichen findet man aktuell noch einige Exemplare der stark gefährdeten Pflanze.

 Um diese Restvorkommen zu schonen und ihnen die Möglichkeit zu geben, sich wieder auszubreiten, sollen sich die Besucher im Naturschutzgebiet Lochenstein künftig nur auf der Ostseite des Felsens aufhalten. Eine Infotafel klärt über die Schutzbedürftigkeit der Felsvegetation auf und eine Leiteinrichtung (Seil) lenkt den Besucherstrom auf den Ostteil des Felsens. Der Westteil mit Restbeständen der Augenwurz soll der Regeneration der Pflanzen dienen und künftig nicht mehr betreten werden. Der beliebte Aussichtspunkt am Kreuz bleibt dabei weiter zugänglich. Besucher können die wunderbare Aussicht in das Albvorland nach wie vor genießen und trotzdem leicht zum Erhalt der Augenwurz beitragen, indem sie den Felsbereich nicht betreten. Hierdurch erwarten die Artenschutzexperten des Regierungspräsidiums, dass sich die geschädigten Pflanzen wieder erholen und sich möglicherweise sogar neue Pflanzen ansiedeln.

Auch andernorts wurden in sehr stark frequentierten Bereichen bereits Besucherlenkungsmaßnahmen zum Schutz besonders bedrohter Arten ergriffen. So wurden zum Beispiel im Oberen Donautal an verschiedenen Felsstandorten Hinweistafeln und Leiteinrichtungen angebracht und haben sich dort bewährt.

Hintergrundinformation:
Die Felsen der Schwäbischen Alb beherbergen eine seltene und gefährdete Flora. In sehr stark frequentierten Bereichen werden oftmals Besucherlenkungsmaßnahmen zum Schutz besonders bedrohter Arten erforderlich. So wurden im Oberen Donautal an verschiedenen Felsstandorten Hinweistafeln und Leiteinrichtungen angebracht und werden dort inzwischen weitestgehend akzeptiert. 
 
Auch am Lochenstein befindet sich eine gefährdete und bereits deutlich beeinträchtigte Population der Augenwurz (Athamanta cretensis), neben weiteren Felsspezialisten. Die Augenwurz wird im Rahmen des Arten- und Biotopschutzprogramms (https://www.lubw.baden-wuerttemberg.de/natur-und-landschaft/arten-und-biotopschutzprogramm/) betreut und dokumentiert. Das Land Baden-Württemberg hat eine besondere Schutzverantwortung für die Art und ist verpflichtet, die Erhaltung der Population zu sichern. Die Augenwurz kommt in Deutschland außerhalb der Alpen nur auf der baden-württembergischen Südwestalb vor. Aufgrund der feststellbaren Beeinträchtigungen sind aus Sicht der Naturschutzverwaltung Besucherlenkungsmaßnahmen dringend erforderlich, um den Bestand zu erhalten und beeinträchtigten Bereichen Gelegenheit zur Regeneration zu geben.
  
Vorrangig soll es dabei mittels einer Infotafel (siehe Anhang) um Aufklärung und Information über die Schutzbedürftigkeit der Felsvegetation gehen, verbunden mit einer Leiteinrichtung (Seil) zur Lenkung des Besucherstroms auf den Ost-Teil des Felsens, der West-Teil mit Restbeständen der Augenwurz soll als Regenerationsfläche geschont werden.

Bildunterschrift:
Augenwurz (Athamanta cretensis); Foto: Martin Engelhardt

Hinweis für die Redaktionen:
Für Fragen zu dieser Pressemitteilung steht Ihnen Herr Simon Kistner, Pressereferent, Tel.: 07071 757-3080, gerne zur Verfügung.

Anlage

Infoschild Lochenstein

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