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Renaturierung im Degermoos geht am Kohlbrunnenweiher weiter
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Nach den Arbeiten im Bereich Rotasweiher folgt mit dem Kohlbrunnenweiher der nächste Abschnitt der Moorrenaturierung im baden-württembergischen Teil des Degermooses. Ziel ist es, den Niedermoorkörper zu stabilisieren und den Lebensraum bedrohter Moorarten wie Fadenwurzel-Segge, Langblättriges Sonnentau oder Große Moosjungfer zu verbessern. Die Stiftung Naturschutzfonds Baden-Württemberg fördert das Vorhaben mit 170.000 Euro.
„Die Vorplanungen sind weitestgehend abgeschlossen. Im kommenden Jahr wollen wir in die konkrete Umsetzung gehen“, so Niklas Best, Moorschutzreferent und Projektleiter am Regierungspräsidium Tübingen.
Der rund 24 Hektar große Planungsraum am Kohlbrunnenweiher liegt im Naturschutzgebiet Rotasweiher-Degermoos im Landkreis Ravensburg. Auf der Fläche befinden sich sehr wertvolle Biotope wie Pfeifengras-Streuwiesen oder natürliche Übergangs- und Schwingrasenmoore, die einer Vielzahl an gefährdeten Arten einen Lebensraum bieten. Die geplanten Eingriffe setzen dort an, wo bestehende Entwässerungsgräben dem Gebiet bis heute Wasser entziehen. Künftig soll der Abfluss über diese Gräben verringert werden, damit mehr Wasser in der Moorlandschaft verbleibt.
Erfahrungen mit diesem Vorgehen gibt es bereits aus dem benachbarten Abschnitt Rotasweiher. Dort wurden im Frühjahr rund 30 Holzspundwände quer zu bestehenden Entwässerungsgräben eingebaut. Welche Bedeutung der Wasserrückhalt für den Moorschutz hat, hat der trockene und heiße Sommer dieses Jahres besonders deutlich gemacht.
„Wir haben momentan einen der trockensten Septembermonate in Baden-Württemberg seit dem Beginn der kontinuierlichen Aufzeichnung im Jahr 1881. Seit November letzten Jahres waren mit Ausnahme des Februars alle Monate zu trocken. Unsere Moore leiden darunter extrem. Die bestehenden Entwässerungsgräben und Drainagen leiten zudem das ankommende Wasser viel zu schnell aus dem Moor wieder heraus. Dabei können intakte Moore nicht nur Kohlenstoff, sondern auch Wasser gut in der Landschaft speichern und den Grundwasserstand erhöhen sowie die Umgebung kühlen.“, so Niklas Best.
Auf bayrischer Seite wird derzeit die fünfte Maßnahme umgesetzt. Nach Abschluss der Arbeiten sind dort insgesamt zehn Teilflächen wiedervernässt. Da sich der Moorkomplex über die Landesgrenze hinweg erstreckt, arbeiten die Beteiligten auf beiden Seiten eng zusammen. Die bereits umgesetzten Maßnahmen zeigen den Erfolg dieses gemeinsamen Vorgehens: Sie tragen dazu bei, Wasser länger im Moorkomplex zu halten und die natürlichen Wasserverhältnisse im Degermoos schrittweise wiederherzustellen.
Hintergrundinformationen:
Das Kerngebiet Degermoos erstreckt sich über etwa 400 Hektar und liegt in den Landkreisen Lindau und Ravensburg. Teile des Gebietes sind als Naturschutzgebiet ausgewiesen und gehören zum europäischen Schutzgebietsnetz Natura 2000. Die anstehenden Maßnahmen im Abschnitt Kohlbrunnenweiher befinden sich im baden-württembergischen Teil des Kerngebietes.
Die Landesregierungen beider Bundesländer haben ihre Zusammenarbeit im Moorschutz mit einem gemeinsamen Kabinettsbeschluss vom 23. Juli 2019 bekräftigt. Das Degermoos ist eines der zentralen Projektgebiete dieser Kooperation. Die Maßnahmen im Projektgebiet werden auf beiden Seiten der Landesgrenze schrittweise in verschiedenen Abschnitten umgesetzt.
Viele Moore in Mitteleuropa sind durch jahrzehntelange land- und forstwirtschaftliche Nutzung stark beeinträchtigt. Sinkt der Wasserstand, beginnt der im Moor gespeicherte Torf sich zu zersetzen. Dabei werden große Mengen Kohlendioxid und andere Treibhausgase freigesetzt.
Schätzungen zufolge stammen rund sieben Prozent der deutschen Treibhausgasemissionen aus geschädigten Mooren. Gleichzeitig verlieren viele spezialisierte Tier- und Pflanzenarten ihren Lebensraum. Ein Großteil der Moorbiotope gilt laut aktueller Roter Liste als stark gefährdet oder von vollständiger Vernichtung bedroht. Die Wiedervernässung ist deshalb die wichtigste Maßnahme im Moorschutz. Mit der geplanten Maßnahme im Abschnitt Kohlbrunnenweiher wird ein weiterer wichtiger Schritt unternommen, um das Degermoos langfristig als wertvolle Moorlandschaft und Lebensraum seltener Arten zu erhalten.
Weitere Informationen zum Moorschutz im Regierungsbezirk Tübingen sind online unter Moorschutz im Regierungsbezirk Tübingen | Regierungspräsidium Tübingen zu finden.