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Verabschiedung von Abteilungspräsidentin Dr. Susanne Pacher am 22.07.26 an der Beruflichen Berta-Benz-Schule in Sigmaringen
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Ein besonderer Termin in beeindruckender Architektur
Es war ein besonderer Termin am 22.07.26 an der neu gebauten Berta-Benz-Schule in Sigmaringen, ein Novum, weil es die erste Dienstbesprechung aller gymnasialen und beruflichen Schulleiter des RP Tübingen war, außerdem war der Anlass die Verabschiedung von Abteilungspräsidentin Dr. Susanne Pacher in den nahenden Ruhestand. Inhaltlicher Schwerpunkt der Veranstaltung war Demokratiebildung, für beide Schularten ein wichtiges Thema in einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Heterogenität.
Als Referent konnte Professor Rolf Gollob von der PH Zürich gewonnen werden. Seit 2008 ist Gollob Schweizer Nationalkoordinator für demokratische Bildung und Menschenrechtsbildung des EPAN-Netzwerkes für den Europarat, dessen Leitungskommission er vorsitzt. Er ist außerdem Mitglied der schweizerischen UNESCO-Kommission und Experte auf dem Gebiet der Demokratieforschung. Ein wichtiges Zitat wurde von Dr. Susanne Pacher an den Anfang gestellt: „Niemand wird als Demokrat geboren, Demokratie ist eine soziale Idee, sie muss von den Bürgern erlernt und eingeübt werden.“
Schule als Ort gelebter, fehlerfreudiger, realer Demokratie
Professor Gollob gab seinen Vortrag den Titel „Schule als Ort gelebter, fehlerfreudiger, realer Demokratie.“ Er stieg in die Thematik mit dem Bild der Demokratie als Baustelle ein.
Gollob zitierte Ergebnisse verschiedener Jugendstudien und zog den Schluss, dass sich jugendliche Räume wünschten in denen sie gehört würden. Er verglich Demokratie mit der Tätigkeit des Fahrradfahrens und stellte die Frage ins Publikum, „Wie lernt man eigentlich Fahrrad fahren?“ Das sei „Learning by doing“, genau wie beim Erlernen von Demokratie. Dazu gehöre auch immer das Scheitern und neu Probieren, wie schon John Dewey formuliert habe: „Das Ausprobieren und Scheitern ist der einzige Weg zur echten demokratischen Teilhabe.“
Mit der Fragestellung, wo in der Schule – einer eigentlich zutiefst undemokratischen Organisationsform überhaupt Demokratie möglich sei, setzte sich Professor Gollob als nächstes auseinander mit dem Ergebnis, dass Schulklima und die Teilhabekultur im Kleinen gestärkt werden an der Schule und im Unterricht. Mit der Aussage „Demokratie nicht schützen, sondern nützen!“ und dem Hinweis, dass Demokratie uns die notwendigen Werkzeuge selbst liefere, die es zu benutzen gelte, leitete er dann über, in eine Workshop-Phase für die Teilnehmer.
Im abschließenden Podiumsgespräch der Gruppensprecher der Arbeitsphase wurden zahlreiche Beispiele gelebter Demokratie an den Schulen genannt und kam zum Vorschein, dass an den Schulen bereits jetzt Demokratie einen Raum hat und gelebt werden kann.
Abteilungspräsidentin Dr. Susanne Pacher als erfahrene und hilfsbereite Bergführerin
Anschließend sprach die Vorsitzende der Direktorenvereinigung Südwürttemberg, Oberstudiendirektorin Elke Ray zum Abschied von Abteilungspräsidentin Dr. Susanne Pacher. Sie leitete Ihre Würdigung ein mit der Allegorie des Wanderns. Der Ruhestand sei ein bisschen wie der Gipfel einer anspruchsvollen Bergtour. Nach einem herausfordernden beruflichen Werdegang sei ein Ziel erreicht und es öffne sich die Perspektive auf einen weiten Horizont. Das Regierungspräsidium sei unter Frau Susanne Pacher weit mehr als Schulverwaltung gewesen, es sei eine Art Basislager für die Schulleiterinnen und Schulleiter gewesen. Susanne Pacher wurde als erfahrene und kompetente „Bergführerin“ gewürdigt, die auch bei schwierigem Gelände und widrigen Wetterverhältnissen vorangegangen sei. „Bildungsarbeit ist immer auch Beziehungsarbeit, das habe die Abteilungsspitze vorgelebt“.
Tragfähig und verlässlich wie Stahlbeton
Oberstudiendirektor Lorenz Schulte würdigte die scheidende Abteilungspräsidentin als dienstältester Schulleiter aus dem beruflichen Bereich als eine Frau, die sich für die Schulleitungen der beruflichen Schulen wirklich interessierte. Und als eine Frau, die Spuren positiver Veränderungen hinterlasse nach 20 Jahren Leitung. Darauf könne sie stolz sein. Als symbolisches Abschiedsgeschenk erhielt Dr. Susanne Pacher eine mit Pralinen gefüllte Obstschale aus Beton, sinnbildlich für die Tragfähigkeit und Stabilität die sie 20 Jahre gewährleistete.
Schule gestalten vom Regierungspräsidium aus
Zu Beginn ihrer eigenen Abschiedsansprache stellte Dr. Susanne Pacher die Frage, ob Sie eigentlich jemals Schulabteilungspräsidentin werden wollte und verneinte sogleich. Vermutlich sei es vielen der Anwesenden Schulleiter ähnlich gegangen mit ihrer Leitungstätigkeit. Sie sei jedoch froh, nach kurzer Bedenkzeit die Aufgabe vor 20 Jahren angenommen zu haben. Susanne Pacher habe es nie bereut, weil von ihr auch in dieser Position Schule gestaltet werden konnte. Der Regierungsbezirk Tübingen sei dabei ideal gewesen, weil er nicht so groß sei. Sie habe die Personalentwicklung bei den Schulen aktiv mitgestalten und bei den meisten Schulleiterbesitzungen persönlich involviert sein können. Dabei sei es immer das gemeinsame Ziel von Regierungspräsidium und Schulleitungen gewesen, gute Schule zu gestalten. Frau Dr. Pacher dankte auch den Lehrkräften, die den eigentlichen Unterricht gestalten und wünschte viel Mut, Kraft, Ausdauer und Freude an der Schule und zum Wohl der Schülerinnen und Schüler.