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Nachgefragt zum Thema Tierseuchen Was passiert eigentlich, wenn ....

... in Baden-Württemberg oder in der Bundesrepublik Deutschland eine Tierseuche bei Nutztieren ausbricht – und warum betrifft uns das alle?

Tierseuchen klingen für viele nach einem Thema, das nur landwirtschaftliche Betriebe betrifft. Tatsächlich geht es um weit mehr: Verbraucherschutz, Lebensmittelsicherheit und Krisenmanagement in Echtzeit.

Wir haben bei Dr. SvenWittenberg, dem Leiter der Stabsstelle Tiergesundheit, Tierschutz und Verbraucherschutz (STV) am Regierungspräsidium Tübingen, nachgefragt.

„Wir müssen jederzeit damit rechnen“

„Wir müssen davon ausgehen, dass es jederzeit zu einem Tierseuchenausbruch kommen kann, dass sich bestehende Tierseuchen weiter ausbreiten und auch neue Seuchen zu uns gelangen können. Auch der zunehmend globale Warenverkehr macht uns große Sorge – und dieser wird sich sicherlich auch nicht mehr aufhalten lassen.“

Warum betrifft uns das alle?

„Letztendlich geht es darum, großes Tierleid zu verhindern und  dass wir sicherstellen, dass nur gesunde Lebensmittel tierischen Ursprungs in Verkehr gebracht werden. Einige Tierseuchen wie zum Beispiel die Geflügelpest können auch für Menschen gefährlich werden.“

Kurz gesagt: Tierseuchenbekämpfung ist auch Verbraucherschutz.
 

Was passiert im Ernstfall?

„Der Betrieb muss gesperrt werden. Wir führen sogenannte epidemiologische Ermittlungen durch: Um was für einen Erreger handelt es sich, wo kommt dieser her und wohin könnte er sich verbreitet haben.

Wenn sich der Verdacht bestätigt, werden Sperrzonen eingerichtet – zum Beispiel eine mindestens 3- und eine 10-Kilometer-Zone. Bei einigen Tierseuchen können diese Sperrzonen auch wesentlich größer ausfallen. Innerhalb dieser Gebiete dürfen zum Beispiel keine Tiere mehr transportiert werden.

Im Ausbruchsbetrieb müssen die Tiere im Ernstfall getötet und unschädlich beseitigt werden. Danach folgen Reinigung und Desinfektion.“

Hart, aber notwendig: Nur so lässt sich eine Ausbreitung stoppen.
 

Ein Blick ins Labor: Wie wird eine Tierseuche nachgewiesen?

Wenn ein Verdacht im Raum steht, beginnt die eigentliche Arbeit oft im Labor – und die entscheidet über den weiteren Verlauf. Ein entscheidender Schritt ist also die Labordiagnostik. 

Die Proben aus den Betrieben werden in spezialisierten Untersuchungsämtern analysiert. Dort kommen vor allem PCR-Verfahren zum Einsatz – mit denen sich Erreger innerhalb weniger Stunden nachweisen lassen.

Die Untersuchungsinstitute legen dafür auch Extratouren ein, egal ob Wochenende oder Feiertag. Gerade bei hochansteckenden Tierseuchen ist diese Geschwindigkeit entscheidend.

Handelt es sich um einen erstmaligen Ausbruch, werden die Proben zusätzlich an das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) geschickt – das Bundesforschungsinstitut für Tiergesundheit auf der Insel Riems. Dort erfolgt die abschließende Bestätigung durch das sogenannte nationale Referenzlabor. 

 Jede Stunde zählt: Je schneller das Ergebnisvorliegt, desto schneller können Maßnahmen greifen – und desto geringer ist die Gefahr einer weiteren Ausbreitung.
 

Die Rolle der Task Force

„Unsere Hauptaufgabe ist die Unterstützung der Veterinärämter. Wir analysieren unter anderem, woher eine Seuche kommt und wie sie sich verbreitet, helfen also bei den epidemiologischen Ermittlungen.

Wir arbeiten mit dem Fachprogramm Tierseuchennachrichtensystem, erstellen Lageberichte und unterstützen bei der Einrichtung der Sperrzonen. Wenn nötig, werden wir auch vor Ort im Ausbruchsbetrieb bzw. in den eingerichteten Sperrzonen aktiv!“ Aber natürlich läuft dann noch vieles mehr. 

Doch ein großer Teil der Arbeit passiert lange bevor es überhaupt zu einem Ausbruch kommt: „Eine weitere wichtige Aufgabe von uns sind Schulungen und Tierseuchenübungen. Das können kleinere Übungen direkt in einem Betrieb sein – aber auch größere, landesweite Schulungen.“ Diese finden häufig in enger Zusammenarbeit mit anderen Akteuren statt: „Wir arbeiten dabei zum Beispiel mit den drei Veterinärzügen, die es in Baden-Württemberg gibt, aber auch den Feuerwehren, dem THW und weiteren Organisationen zusammen.“

Ziel ist es, im Ernstfall vorbereitet zu sein:
Abläufe müssen sitzen, Zuständigkeiten klar sein – und alle Beteiligten müssen wissen, was zu tun ist.

 

Auch kleine Haltungen sind betroffen

„Auch Hobbyhalter müssen aufpassen. Im Falle der Geflügelpest kann beispielsweise jederzeit ein Wildvogel einen Erreger eintragen. Wenn Tiere sich auffällig verhalten, weniger fressen oder trinken oder vermehrt sterben, sollte man das sehr ernst nehmen und das Veterinäramt umgehend informieren.“

Bedeutet: Ein Ausbruch kann überall – auch zum Beispiel in einem Zoo – beginnen. 

 

 Neue Risiken durch Klimawandel & Globalisierung

„Überträger wie Stechmücken sind länger aktiv und verbreiten Krankheiten wie die Blauzungenkrankheit.

Mit der Lumpy-Skin-Krankheit haben wir eigentlich auch nicht gerechnet – jetzt ist sie aber schon in Europa - zum Beispiel in Frankreich, also auch direkt vor unserer Tür.“

Fazit: Tierseuchenbekämpfung passiert meist im Hintergrund.
Aber im Ernstfall entscheidet sie darüber, wie schnell wir eine Krise unter Kontrolle bekommen.

Die Task Force Tierseuchenbekämpfung Baden-Württemberg wurde 2003 eingerichtet – als Reaktion auf Krisen wie BSE und die Maul- und Klauenseuche.

Heute ist sie ein zentrales Bindeglied zwischen Veterinärverwaltung, Katastrophenschutz, Forschungseinrichtungen und weiteren Behörden – und unterstützt sowohl strategisch als auch operativ im Krisenfall.